Nach 2 + 13 Stunden Flug (Frankfurt – Warschau – Tokio) komme ich unerwartet ausgeruht in Tokio-Narita an. Für Japan benötigen EU-Bürger kein Visum, aber man muss einen Einreiseschein ausfüllen, mit dem Ziel der Reise, der Dauer sowie eine Zollerklärung. Die Passkontrolle ist schnell erledigt, doch dann stoppt mich ein Zollbeamter, um meinen kleinen Rollkoffer zu kontrollieren. Er ist sehr höflich und behutsam (Handschuhe, Mundschutz), kontrolliert den Inhalt aber sehr gründlich und stellt einige Fragen zu meiner Reiseroute. Trotz seiner Freundlichkeit bin ich irritiert, denn eine Gepäckkontrolle habe ich seit ca. 20 Jahren nicht mehr erlebt, nicht mal in Russland.
Mehr Stress bereitet mir die Tatsache, dass die E-SIM im Handy nicht funktioniert. Nach einer halben Stunde Hantieren in den Android-Einstellungen gebe ich auf. Das Hotel finde ich dann auch ohne Google, es sind zwei Stationen mit der S-Bahn (15 Minuten) vom Flughafen in die kleine Stadt Narita, dort liegt es direkt am Bahnhof. Das Richmond Hotel gehört zu einer großen Kette und ist in der unteren Mittelklasse angesiedelt. Es gibt noch eine klassische Rezeption, wo mich zwei superfreundliche Damen in sehr gutem Englisch begrüßen. In der Lobby gibt es beim Einchecken kostenlose Getränke (Kaffeeautomat) und eine große Auswahl an Hygieneprodukten wie Zahncreme, Einwegrasierer, allerlei Cremes. Im Zimmer stehen richtige Hausschuhe bereit (keine dünnen Wegwerfschlappen). Die Schuhe werden für jeden neuen Gast gewaschen. Auf dem Bett liegt ein gebügeltes Nachthemd, im Badezimmer finde ich die mit Spannung erwartete High-Tech-Toilette (dazu später mehr).
Im Hotel gibt es auch Essen, aber es ist erst 21.00 (für meine innere Uhr 14.00) und ich habe am Bahnhof viele Kneipen gesehen, also mache ich mich auf, japanisches Bier zu testen. Da ich immer Entscheidungsprobleme habe, mache ich mich schon auf eine lange Suche gefasst, aber in der ersten Kneipe, die ich mir anschaue, kommt sofort eine fröhliche, resolute Kellnerin auf mich zu und weist mir freudestrahlend einen Platz am Tresen zu. Als sie mit dem ersten Bier kommt, strahle ich. Es ist ein wunderbarer Ort, laut, chaotisch, nicht besonders sauber – aber der Duft von gebratenem Fleisch und das viele Gelächter der Gäste sind toll. Ich bekomme eine Vorspeise (Weißkohl und dazu eine scharfe Soße) und versuche, diese mit Stäbchen zu essen, was zu einigem Gelächter führt. Dann bestelle ich gebratene Nudeln und aus der großen Auswahl an Fleischspießen einen „Schweinebauch“. Beides schmeckt fantastisch und es macht Spaß, den durchweg ganz jungen Leuten in der Küche zuzusehen. Küche und Gastraum sind praktisch eins.


Das Publikum ist gemischt, viele junge Leute, auch junge Frauen, bei den Männern, die knapp in der Überzahl sind, sind alle Altersklassen vertreten. Die Gäste sitzen auf umgeklappten Bierkisten mit Kissen drauf oder – wie ich – an einer Art Tresen mit Blick auf die „Küche“. Dort sind junge Männer am Werk, um das Bier kümmern sich zwei junge Frauen. Große Biere heißen „Jumbo“. Beliebt ist auch ein Getränk, das ich bisher nicht kannte: Whiskey-Soda – das ebenfalls in Biergläsern serviert wird. Die Stimmung ist toll, das Essen einfach, aber großartig, und ich bin glücklich, denn ich bin schon am ersten Abend in das authentisch Leben eingetaucht. Angekommen!
Der erste Abend











Datum: 29. Oktober 2025 — Ort: Narita
Landeskunde
Japan ist ein Inselstaat im Pazifik, östlich des asiatischen Kontinents, mit vier Hauptinseln – Honshū, Hokkaidō, Kyūshū und Shikoku – und über 6.000 kleineren Inseln. Das Land erstreckt sich über rund 3.000 Kilometer Länge von Nord nach Süd und etwa 400 Kilometer Breite von Ost nach West. Mehr als zwei Drittel Japans sind gebirgig, das Leben konzentriert sich auf schmale Küstenstreifen. Im Winter bläst kalte Luft aus Sibirien über das Japanische Meer, nimmt Feuchtigkeit auf und bringt meterhohen Schnee an die Westküste. Und während im Norden alles tief verschneit ist, kann man im Süden – etwa in Kyūshū oder Okinawa – selbst im Dezember noch im Meer baden. Japan hat derzeit 125 Millionen Einwohner, die Fläche entspricht etwas der Deutschlands. Deshalb ist die Bevölkerungsdichte deutlich höher – vor allem, weil große Teile Japans gebirgig und kaum besiedelbar sind. Zugleich ist die Bevölkerung Japans im Durchschnitt älter; das Medianalter liegt bei etwa 49 Jahren, in Deutschland bei rund 45 Jahren. Auch beim Landschaftsbild zeigen sich Unterschiede: Japan ist traditionell stark bewaldet – annähernd zwei Drittel des Landes bestehen aus Wald. In Deutschland liegt der Anteil bei knapp einem Drittel. Diese starke Bewaldung prägt bis heute das Selbstverständnis vieler Regionen und beeinflusst Baukultur, Handwerk und Lebensweise.

Kneipen
Die japanische Kneipe oder Izakaya (jap. 居酒屋) ist der populärste Typ on Gastronomiebetrieb in Japan.
Der Name setzt sich aus iru (居: verweilen), sake (酒: Sake, Alkohol) und ya (屋: Geschäft, Haus) zusammen und kann somit als „Sake-Geschäft zum Verweilen“ verstanden werden.
Izakayas haben immer einen Koch und bieten eine Auswahl von Speisen oder sogar eine umfangreiche Speisekarte, da Japaner üblicherweise immer auch zumindest eine Kleinigkeit (sogenannte Tsumami) essen, wenn sie Alkohol trinken. Oft gibt es so eine Kleinigkeit als Service namens o-tōshi (お通し) gewöhnlich vorweg, nachdem man sich an einen Tisch gesetzt hat. (Wikipedia)
Die Izakayas, die ich besucht habe, boten Fleischspieße an, die auf einem kleinen Gasgrill zubereitet worden. Aufgefallen ist mir die informelle ausgelassene Stimmung. Sowohl Gäste als auch Köche und Bedienung hatten immer Spaß.
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