Wäre das Fieber weiter gestiegen oder wären weitere Beschwerden hinzugekommen, wäre ein Besuch des städtischen Krankenhaus unumgänglich gewesen. Ich habe Chat GPT gefragt, wie so ein hypotetischer Hospital-Aufenthalt ausgesehen hätte und mit welchen Kosten er verbunden gewesen wäre (auf Grundlage der Patienteninformationen des Hospitals Oita) Hier das Szenario:
Zunächst hätte ich mich telefonisch anmelden müssen, denn Patienten mit Fieber und Erkältungssymptomen sollen in Japan nicht einfach unangemeldet erscheinen. Im Krankenhaus hätte man vermutlich Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung kontrolliert, die Lunge abgehört und einen Influenza- oder COVID-Test durchgeführt. Bei Verdacht auf Komplikationen wären weitere Untersuchungen hinzugekommen.
Die Verständigung wäre vermutlich die erste Herausforderung gewesen. Ärzte sprechen mitunter etwas medizinisches Englisch, beim Pflegepersonal und an der Anmeldung ist das weniger selbstverständlich. Immerhin gibt es in der Präfektur Ōita einen medizinischen Telefondolmetscherdienst, der sogar Deutsch unterstützt.
Bei unkompliziertem Verlauf hätte man mich wohl nach einigen Stunden wieder entlassen. Wäre ich zur Beobachtung geblieben, hätte mich vermutlich ein Mehrbettzimmer mit durch Vorhänge getrennten Betten erwartet. Bei einer ansteckenden Infektion wäre auch eine separate Unterbringung denkbar gewesen.
Besonders neugierig wäre ich auf das Krankenhausessen gewesen. Statt Graubrot mit Käse oder Wurst hätte es Reis, Fisch, Tofu, Gemüse und Misosuppe gegeben – ordentlich auf kleinen Schälchen angerichtet. Bei Fieber und wenig Appetit vielleicht zunächst okayu, einen leicht verdaulichen Reisbrei. Frühstück gegen halb acht, Mittagessen um zwölf und Abendessen bereits um sechs. Eigentlich ganz nach meinem Geschmack!
Finanziell wäre der Ausflug weniger erfreulich gewesen. Eine ambulante Untersuchung hätte schnell 100 bis 200 Euro oder mehr kosten können, ein kurzer stationärer Aufenthalt mehrere Hundert bis über tausend Euro, je nach Zimmerkategorie. Zum Glück hätte meine HUK-Auslandskrankenversicherung medizinisch notwendige Behandlungen grundsätzlich übernommen.
Alltag im japanischen Krankenzimmer
Und wie hätte ich meine Zeit im Krankenhaus verbracht? Vermutlich wäre ich zunächst zur Bettruhe angehalten worden, zumindest solange das Fieber hoch war. Eine strenge Bettruhe hätte man mir bei einer unkomplizierten Virusinfektion aber wohl nicht verordnet. Für den Gang zur Toilette hätte ich also durchaus aufstehen dürfen, sofern mein Kreislauf mitgespielt hätte. In einem Mehrbettzimmer hätte ich mir Bad und Toilette wahrscheinlich mit anderen Patienten teilen müssen. In Usuki gibt es Einzelzimmer mit eigener Toilette , Einzelzimmer mit Gemeinschaftstoilette auf dem Flur und Mehrbettzimmer mit Gemeinschaftstoilette. Die Zuordnung hängt von der Krankheit ab, ein Upgrade gegen Aufpreis ist ebenfalls möglich.
Auch der Tagesablauf wäre recht geregelt gewesen. Aufstehen gegen sechs Uhr, Frühstück um acht, zwischendurch Fiebermessen und ärztliche Untersuchungen, Abendessen um sechs und Nachtruhe gegen neun oder zehn Uhr. Besuch ist in japanischen Krankenhäusern häufig nur zu festgelegten Zeiten erlaubt. In der Universitätsklinik Ōita beispielsweise werktags zwischen 14 und 20 Uhr, derzeit sogar auf maximal 30 Minuten begrenzt. Bei einer ansteckenden Influenza hätte ich vermutlich ohnehin keinen Besuch empfangen dürfen.
Viel wichtiger wäre mir die Frage gewesen: Gibt es WLAN? In vielen japanischen Krankenhäusern inzwischen ja, allerdings nicht überall und nicht immer kostenlos. Auch in der Universitätsklinik Ōita gibt es WLAN auf den Stationen. Meinen Laptop hätte ich vermutlich benutzen dürfen, solange ich damit niemanden gestört hätte. Telefonieren im Mehrbettzimmer ist dagegen häufig unerwünscht..
Krankenhausessen – Fotos von der Website des Krankenhauses Oita
基準食
Kleiner Exkurs: Das japanische Gesundheitssystem
Japan besitzt eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt. Ähnlich wie in Deutschland gibt es eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Seit 1961 ist die medizinische Grundversorgung praktisch der gesamten Bevölkerung zugänglich. Allerdings unterscheidet sich die Organisation in einigen Punkten deutlich von der deutschen.
In Japan sind grundsätzlich alle Einwohner in einem gesetzlichen Krankenversicherungssystem versichert. Arbeitnehmer und ihre Familienangehörigen gehören meist einer betrieblichen Krankenversicherung an. Selbstständige, Arbeitslose und andere nicht über den Arbeitgeber versicherte Personen sind in der kommunalen Nationalen Krankenversicherung (Kokumin Kenkō Hoken) abgesichert. Für Menschen ab 75 Jahren gibt es ein eigenes Versicherungssystem.
Eine private Krankenversicherung als vollständige Alternative zur gesetzlichen Versicherung, wie wir sie aus Deutschland kennen, gibt es in Japan nicht. Private Versicherungen dienen vielmehr als Ergänzung. Sie können beispielsweise zusätzliche Kosten bei Krankenhausaufenthalten, bestimmte nicht versicherte Behandlungen oder Verdienstausfälle abdecken.
Interessant ist auch die Finanzierung: Erwachsene unter 70 Jahren müssen bei Arztbesuchen und Krankenhausbehandlungen normalerweise 30 Prozent der versicherten Behandlungskosten selbst bezahlen. Die übrigen 70 Prozent übernimmt die Krankenversicherung. Für ältere Menschen gelten je nach Alter und Einkommen niedrigere Eigenanteile. Damit schwere Erkrankungen nicht zum finanziellen Ruin führen, gibt es außerdem einkommensabhängige Obergrenzen für die monatliche Belastung.
70 Prozent der Krankenhäuser sind in privater Trägerschaft. Auch diese Einrichtungen rechnen normalerweise nach staatlich festgelegten Gebührensätzen mit den gesetzlichen Versicherungen ab. Japan verfügt über etwa 12,5 Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner und damit über ungefähr dreimal so viele wie der OECD-Durchschnitt. Auch die Aufenthaltsdauer ist ungewöhnlich lang. Das liegt unter anderem daran, dass Krankenhäuser traditionell Aufgaben übernehmen, die in Deutschland eher von Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen wahrgenommen werden.
Vorsorge wird großgeschrieben. Berufstätige erhalten regelmäßig Gesundheitsuntersuchungen, die ihre Arbeitgeber organisieren müssen. Dazu gehören je nach Alter unter anderem Blutdruckmessungen, Blutuntersuchungen und weitere diagnostische Verfahren. Die hohe Lebenserwartung der Japaner hat sicherlich verschiedene Ursachen – Ernährung, Lebensweise, soziale Bedingungen und eben auch die medizinische Versorgung.
Allerdings steht das System vor erheblichen Herausforderungen. Japan ist eine der am stärksten alternden Gesellschaften der Welt. Während immer mehr Menschen medizinische und pflegerische Betreuung benötigen, schrumpft die Zahl der Erwerbstätigen, die das System finanzieren. Besonders in ländlichen Regionen wird es zunehmend schwieriger, ausreichend Ärzte und Pflegepersonal zu gewinnen. Allerdings steht das System vor erheblichen Herausforderungen. Japan ist eine der am stärksten alternden Gesellschaften der Welt. Während immer mehr Menschen medizinische und pflegerische Betreuung benötigen, schrumpft die Zahl der Erwerbstätigen, die das System finanzieren. Besonders in ländlichen Regionen wird es zunehmend schwieriger, ausreichend Ärzte und Pflegepersonal zu gewinnen. Quellen: Commonwealth Fund – Japanisches Gesundheitssystem und OECD – Health at a Glance 2025
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